Heilpraxis SchrammPhilosophie

Samuel Hahnemann*, der die klassische Homöopathie vor mehr als 200 Jahren begründete, bezeichnete seine Behandlungsmethode selbst nie als Wissenschaft, sondern als Kunst – als Heilkunst.

So wie die wesentlichen Dinge im Leben – Liebe, Freiheit, Schönheit, Glück – nicht ansatzweise wissenschaftlich exakt erfasst werden können, so auch die Gesundheit. Ihr existenzieller Wert für unser Leben kann immer nur subjektiv, d.h. ganz individuell aus dem Moment heraus erfahren werden.

Eigentlich, so schrieb Hans-Georg Gadamer** über die Gesundheit, bemerken wir sie gar nicht, solange wir sie besitzen – sie ist eine Art Selbstvergessenheit – erst ihr Verlust bereitet uns Schmerzen, und zwingt uns zur unausweichlichen Wahrnehmung dessen, was wir im Grunde immer sind: Gefährdete, Bedrohte, Sterbliche.

Daher geht auch wahre Heilung so sanft und leise vor sich, dass sich die eigentliche Wiederherstellung der Gesundheit oft unserer Empfindung entzieht – wir bemerken nicht, dass wir gesund (geworden) sind – wir sind erneut hingegeben ans Leben, eins mit ihm, und können uns wieder selbstvergessen dem widmen, was uns im Leben umtreibt und beschäftigt.

Mehr Gelassenheit und Spontaneität begleiten oft den Heilungsprozess, während sich unrealistische Ängste oder Hoffnungen auflösen. Mitunter braucht der Mensch auch Mut zum Gesundwerden – Mut zur Verwandlung, Mut zu ganz individueller Größe und Kraft.
Oft gehen positive Veränderungen im Gemüt des Kranken seiner körperlichen Wiederherstellung voraus.
Weiter dienen der Gesunderhaltung im wesentlichen eine angemessene Lebensweise, Bewegung, Humor, Dankbarkeit und freundliche Beziehungen.
Übertriebenes Gesundheitsbewusstsein ist echter Gesundheit eher abträglich, ebenso der Drang nach Perfektion und die schnelle Betäubung schmerzhafter Gefühle die zum Leben gehören.

„Das höchste Ideal der Heilung ist schnelle, sanfte und dauerhafte Wiederherstellung der Gesundheit (...), nach deutlich einzusehenden Gründen“, schrieb Hahnemann – denn freilich unterliegt auch die Kunst klaren Regeln. In diesem Sinne gehört der Heilkünstler zwar zu den „Machern“ – dennoch schafft er eigentlich kein Werk – genauer gesagt: sein Werk bleibt unsichtbar, ungreifbar und unbeweisbar – nur dem jeweiligen Besitzer solch verborgenen Werkes wird es in gewissen Momenten als selbstverständliches Wohlbehagen bewusst.

Diesem Ansatz fühle ich mich verpflichtet.



* Samuel Hahnemann (1755-1841) deutscher Arzt, Begründer der Homöopathie
** Hans-Georg Gadamer (1900 -2002) deutscher Philosoph, Begründer der Hermeneutik